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Leserbrief: Lehrer-Schwindel in Sachsen-Anhalt

Gerne veröffentlichen wir hier einen Leserbrief des Herrn Rechtsanwalt Johannes A. Menke zu einem Thema, das uns alle betrifft:

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Umstand, dass die ehemaligen SPD-Minister für Finanzen und Bildung Bullerjahn und Dorgerloh bereits im Jahr 2013 das Budgetrecht des Landtages verletzt haben, indem sie rund 500 fehlende Lehrerstellen verschwiegen haben, ist ein wahrhaftiger Skandal.

Auf der einen Seite muss hier berücksichtigt werden, dass unsere Landesregierung damit die Zukunft unserer Kinder aufs Spiel setzt. Verifiziert wird dies durch die Quote von Schulabgängern ohne Abschluss in Sachsen-Anhalt. Im Jahr 2016 hatte Sachsen-Anhalt die höchste Quote von Schulabgängern ohne Abschluss mit 9,7 %, während der deutschlandweite Durchschnitt bei 5,5 % lag.

Zugleich wirkt sich dies auf die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt aus, die ja bekanntlich zu den Schlusslichtern im deutschlandweiten Vergleich gehört. Die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die weit überwiegend die Berufsauszubildenden in ihren Betrieben ausbilden, beklagen bereits seit Jahren, dass es zu wenig qualifizierte Bewerber gibt und dass Bewerber nicht ausbildungsfähig sind, weil sie keine ausreichenden schulischen Qualifikationen haben. Der „Lehrer-Schwindel“, um nicht zu sagen Lehrerskandal, wirkt sich also auch auf die Wirtschaft und zwar noch in zukünftigen Jahren aus, weil die seit spätestens 2014 zu wenig eingestellten Lehrer natürlich nicht unter dem heutigen Bildungsminister Marco Tullner kurzfristig eingestellt werden können, selbst wenn man dafür ausreichende Haushaltsmittel zur Verfügung stellen würde, was ebenfalls noch nicht in Sicht ist.

Der Umstand, dass in Sachsen-Anhalt keine Lehrer eingestellt wurden, hat natürlich dazu geführt, dass sich eine gesamte Lehrergeneration in anderen Bundesländern beworben hat und für Sachsen-Anhalt verloren ist, obwohl sie sogar an den Universitäten in Sachsen-Anhalt mit Haushaltsmitteln von Sachsen-Anhalt ausgebildet wurden. Was für eine Verschwendung von Ressourcen!

In diesem Zusammenhang ist auch zu berücksichtigen, dass das Bundesland Sachsen-Anhalt offensichtlich Fördermittel insbesondere für innovative Unternehmen und Ausgründungen aus dem Hochschulbereich zur Verfügung stellt. Junge Gründer machen ihre Standortentscheidungen aber nicht ausschließlich davon abhängig, welches Bundesland wieviele Fördermittel zur Verfügung stellt, sondern auch davon, welche zukünftigen Perspektiven sie mit ihren Familien in einem Bundesland haben. Wenn sie aber wahrnehmen, was überhaupt nicht mehr zu übersehen ist, dass ihre Kinder oder zukünftigen Kinder in Sachsen-Anhalt keine ausreichende Schulausbildung erhalten werden, weil dieses Bundesland sich nachgerade weigert, eine ausreichende Anzahl von Lehrern einzustellen, wird sie dies von einer Standortentscheidung für Sachsen-Anhalt abschrecken.

Ein Ministerpräsident wird nicht ohne Grund auch „Landesvater“ genannt. Da er die beiden ehemaligen SPD-Minister weder abberufen noch zum Rücktritt auffordern kann, muss er, da sich der „Lehrer-Schwindel“ nun einmal unter seiner Verantwortung abgespielt hat, nunmehr die Verantwortung dafür auch übernehmen und umgehend für Abhilfe sorgen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Johannes A. Menke

Rechtsanwalt

Foto; (C) S. Hofschlaeger  / pixelio.de

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